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„Wenn das Volk sieht, was meine Hände in seiner Mitte vollbringen, wird es
meinen Namen heilighalten.“ – mit diesem Wort des Propheten Jesaja (29, 23) bereiten wir uns auf das eucharistische Opfer des 3. Sonntags nach
Beschneidung vor, um auch das Motto der darauffolgenden Woche näher kennenzulernen. Allerdings stellt uns diese Aussage vor mancherlei Fragen. Vor allem erwarten wir, dass diese
Zeit des Glaubens erst in der Zukunft des HErrn, nah oder fern, in eine andere Haushaltung gelangen soll, vom Glauben zu Schauen, von der Hoffnung zur Erfüllung. Und doch soll
unser nächster Schritt zur Heiligen Feier, in welcher wir den Namen Jesu und seines Vaters heilighalten, vom Schauen her begründet sein.
Sicherlich – in der Gestalt des Allerheiligsten, des Opfers des Neuen Bundes
nehmen wir im Leib und Blut Christi Gott wahr, unsere Hoffnung auf Herrlichkeit, und freuen uns jedes mal, wenn uns die Gnade gereicht wird, nämlich das Sakrament oder Geheimnis
unseres Heils. Es ist ja seltsam genug, dass uns im Brot das Fleisch des neutestamentlichen Schlachtopfers und im Kelch das Blut des Neuen Bundes gereicht wird. Wir mögen uns
soviel zureden – das sei so. Auch theologisch gehört diese sakramentale Aussage zum Glauben der Kirche. Die römisch-katholischen Mitchristen beugen vor dem ausgesetzten
Altarsakrament ihre Knie und begeben sich in eine, nach ihrem Verständnis, „ewige Anbetung“. Die orientalischen Mitchristen verstehen zwar unter der beständigen
Anbetung etwas Ähnliches wie wir, indem sie tagtäglich sich dem Tagesgebet widmen, hingegen fallen auch sie vor dem HErrn in der Sakramentsgestalt nieder, um Gott zu verehren.
Ebenso verbeugen sich fast alle protestantischen Mitchristen vor dem HErrn, wenn sie das heilige Abendmahl empfangen. Das Prophetenwort will, dass wir weiter in den HErrn
eindringen, denn es kommt die Zeit, und sie ist schon da, dann wird die Weisheit seiner Weisen vergehen und die Klugheit seiner Klugen verschwinden. Ob wir
wirklich fähig sind, die Sakramente zu deuten und zu verstehen oder nicht, ist nicht von belang – der vom Heiligen Geist geschenkte Glaube beschreitet eigene Wege. Wir
Menschen sind tatsächlich imstande, uns von verschiedenen eigenen Lehren dermaßen selbst zu überzeugen, bis uns die Überzeugung überwältigt, dass zu dieser gegenwärtigen Zeit
das Werk Gottes still stünde. Für solche gilt der Prophetenspruch: „Denn der HErr hat über euch einen Geist der Ohnmacht gebracht; er hat eure Augen [die
Propheten] verschlossen und euren Kopf [die Seher] verhüllt.“ (Jes. 29, 6)
Erst unsere Gottesschau durch die Augen des geheimnisvollen Leibes Christi, durch
das Amt der Propheten, überzeugte uns, dass die Sakramente seine Stiftung und Eigentum sind, unseres Gottes, des Allmächtigen. Nicht allein die sakramentale Wirklichkeit,
sondern der Sinn und Zweck derselben halten den Glauben der ganzen Christenheit zusammen. Durch die sakramentale Verwandlung sollen wir alle Getauften für die Verklärung unseres
ganzen Wesens heranwachsen. Deshalb ist es für uns nicht verwunderlich, dass wir in der Verbundenheit mit dem erneut geschenkten Amt der Cherubim, mit dem vierfachen Amt,
bereits in unserem Herzen verwandelt worden sind, um mit den Aposteln, Propheten, Evangelisten und Hirten Gott zu schauen und zu verstehen. Wie sie, deren geistliches Antlitz im
Geheimnis Christi, unseres Hauptes, des Kopfes seines mystischen Leibes, kraft der königlichen Herkunft (Löwe), der vollkommenen Menschennatur (Mensch), der
vollendeten prophetischen Verheißungen (Adler) und eines einmaligen und genügsamen pastoralen Opfers (Stier) Gott betrachtet, sind auch wir zu Sehern geworden, zu
Zeugen einer göttlichen Tat. Hätten wir vom vierfachen Amt im voraus gewusst, um uns selbst hinein zu setzen, wäre unser Zeugnis schwach und menschlich. Wir haben es aber
erlebt, wie uns Jesus von Nazaret umgestaltete und geistlich enthüllte, damit wir fähig werden, das zu sein, was wir vom Herzen sind.
Es bedrückt uns nach wie vor, dass dem Himmelreich Gewalt angetan wird. Wir
erfahren sie durch persönliche Verurteilung. Manche verstehen es als ihre, von Gott gegebene Pflicht, uns zu verfolgen, nachzustellen und zu verleumden oder totzuschweigen.
Andere greifen uns aus ihrem Unglauben und Unwissen an, wie der moderne Agnostizismus in der Nachfolge des Atheismus, der alles, was je heilig und göttlich empfunden war,
vernichten und zerstören möchte. Es wäre zum Verzweifeln, wenn uns der Geist der Ohnmacht beherrschen würde!
Das beständige Gebet für die Kirche, welches das Lamm vor dem himmlischen Altar und
Angesicht unseres Gottes in einer zeitlosen Dimension ausrichtet, ist ebenso wenig bemerkbar, wie die Umstände des ersten Wunders, welches Christus vor seinem
öffentlichen Auftritt und Werk bewirkte. Die Gäste beim Hochzeitsmahl vernahmen es nicht, als die Mutter Jesu den Gottessohn darauf
aufmerksam machte, dass der Wein für die Hochzeitsfeier ausging. Ebenso vernahmen sie es nicht, als Christus das Wasser in den sechs steinernen Krügen zu Wein verwandelte. Sie
schmeckten es jedoch, mit Verwunderung. So kosten auch wir – zum Hochzeitsmahl des Lammes angelangt – in der eucharistischen Feier ein anderes, neues Leben, das
Leben der Auferstehung und der Ewigkeit, und zwar schon bevor er in Macht erscheint und in Herrlichkeit, das Lamm unseres Heils. Deshalb ermahnt uns der Apostel
(1. Kor. 15, 19): Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen.
Für uns ist in dieser Woche klar: nicht die Mitmenschen dieser
Welt sind uns echte Gegner oder Feinde. Arm sind sie und hilfsbedürftig. Deshalb beten wir für sie, bei manchen hoffen und erwarten wir mehr: dass das Licht des Wortes Gottes
sie erleuchte, damit sie wie „Saulus zum Paulus“ werden, denn es gibt gewiss noch viele, die es in ihrem Herzen nicht erkannt haben, wie einst wir, dass Gott sie
braucht und zu dieser Zeit wie die Engel der Himmel aussenden möchte. Für alle Menschen, welche gleich der geistlichen Pflanzung Gottes Wasser und Licht brauchen, Wasser des
ewigen Lebens und Licht der Nähe Gottes, werden und wollen wir beten, und mit allen Mitteln, die uns Gott in der Ausrüstung des Heiligen Geistes gab, bereiten wir uns zum
letzten Kampf und Sieg, denn „Der letzte Feind, der entmachtet wird, ist der Tod.“ (1. Kor. 15, 26)
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