Geistliches Leben
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Pfingstkreis


Verleihe, o HErr, wir bitten Dich, daß der Lauf dieser Welt unter Deiner Anordnung zu unserm Frieden gelenkt werde und daß Deine Kirche in ungestörter Andacht stets Freude habe; durch Jesum Christum, Deinen Sohn, unsern HErrn, der da lebt und herrscht mit Dir, in der Einheit des Heiligen Geistes, ein Gott, in Ewigkeit. Amen.



Gebet vom 6. Sonntag nach Pfingsten

Vollendung und Erfüllung

Die prophetischen Betrachtungen der Zeit nach Pfingsten lenken nun unsere Blicke auf die Erscheinung des Reiches der Himmel, nachdem wir den Untergang Babels betrachtet haben, eines ungerechten und versklavenden Systems. So berichtet der Prophet Ezechiel von der Erscheinung des Thrones Gottes und von den 4 viergesichtigen Wesen, von den Trägern der Herrlichkeit Gottes – vom vierfachen Engeldienst des Priestertums Jesu. Diese befreiende Vollendung begann bei seiner Fleischwerdung in Christo geistlich, nun erwarten wir sie auch leiblich – in der Offenbarung der Gottessöhne.

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Trennung des Sakralen vom Weltlichen

Der Schluss der Morgenlesung am 4. So. n. Pfingsten lenkt unseren Blick auf die Barmherzigkeit Gottes, dessen Herz im Ungemach seines Bundesvolkes stets mitleidet, wie in der Verschleppung nach Babylon, so auch heute, wo uns die Vergänglichkeit plagt, die Prüfung unseres Glaubens im Alltag und im entstellten Glauben einer dem Himmlischen entfremdeten Gesellschaft. Auch wenn wir als Sünder dem Bundesglauben zu wenig gedient haben, dürfen wir doch mit einer Gnadenzeit rechnen: „In jenen Tagen und zu jener Zeit – Spruch des HErrn – wird man nach der Schuld Israels suchen, doch sie ist nicht mehr vorhanden, nach den Sünden Judas, doch man findet sie nicht mehr. Denn ich verzeihe dem Rest, den ich übriglasse.“ (Jer. 50, 20)

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Gott – Gastgeber und Bräutigam

Ein Fest, zu welchem keiner von den Geladenen kommen wollte, wird am 3. Sonntag nach Pfingsten im Evangelium des Tages verkündet. Dabei betrachten wir keineswegs, ob sie für das Festmahl würdig seien oder nicht! Wir wollen in der nachfolgenden Woche verinnerlichen, dass uns der Glaube auf andere Wege bringt, oder wie es der Ruf für die Woche zusammenfasst: Der HErr ward mein Beschützer, Er führte mich hinaus ins Weite, brachte mir Rettung, weil Er mich liebt.

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Gepriesen sei der dreieinige Gott...

Gott stellte sich Abram mit den Worten „Ich (bin)...der dich aus Ur in Chaldäa herausgeführt hat“ (Gen. 15, 7) vor, anders als zuvor im gleichem Buch der Entstehung (Genesis), als es bei der Gestaltung des Menschen heißt – „lasst uns“ (Gen. 1, 26). Als der Schöpfer begegnet uns Gott in einem Wir, wie in der Ankündigung seiner Wiederkunft – „Wir werden kommen!“ (Joh. 14, 23). Als Erlöser, dem wir nachfolgen, begegnet er uns jedoch immer mit Ich. Mit diesem Eindruck von Gott, der sich selbst geoffenbart hat, beginnen wir die älteste Zeit des Kirchenjahres – die Zeit nach Pfingsten.

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Vollendung und Gerechtigkeit

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Wenn Petrus in seiner Epistel (1. Petr. 3, 14) vom Leiden schreibt, mag dies dem einen oder dem anderen zuwiderlaufen: „Aber auch wenn ihr um der Gerechtigkeit willen leiden müsst, seid ihr seligzupreisen.“ Bedeutet denn die Beachtung der göttlichen Anweisung und der Gebote, oder die Nachfolge des Lammes, wo wir uns vor Gott unserem Vater als gerecht empfinden, dass man in diesem Stand leiden muss?

Gewiss, Christus litt zu unserem Heil und kostete Verleumdung, Verrat, Schläge und Pein – und zu unsrer Gerechtigkeit ist er als Erstling von den Toten auferstanden! So bedeutet die Gerechtigkeit Jesu den Sieg über den Tod, die Sünde und den Satan. Dies sind die drei Merkmale unserer Rechtfertigung:

1. Den Tod zu überwinden – nicht nur die Sterblichkeit! Anstatt als Tote die Toten zu begraben, ist Christus unser Leben, damit an uns das Heil gesehen und offenbar werde, unsere Gemeinschaft mit Gott, den wir Vater und Emanuel nennen, den Gott mit uns. Wenn wir leben oder sterben, stets verkündigen wir Jesus Christus. Denn jeder Tag ist in unserer Erwartung der Letzte, und dessen Überwindung bedeutet an jedem Morgen die Erfahrung der Auferstehung – vom Leben zum Leben, wie das Lamm unseres Heils den Tod im Tod besiegte.
2. Die Sünde zu überwinden – nicht nur die Schwäche unsrer Menschlichkeit! Unser Heiland forderte uns auf, ihm nachzufolgen. Die Nachfolge bedeutet nicht, Schwache und Sünder zu meiden oder sie zu verurteilen, sondern so mit ihnen zu leben, dass wir die Heiligkeit unseres Glaubens unverletzt erhalten, damit alle aus unserem Handeln unseren Vater erkennen und Gott lobpreisen!
3. Den Satan überwinden – nicht nur die Bosheit unsrer Herzen! Denn nur aus einem reinen Herzen entspringen gute Gedanken, Worte und Werke, welche unseren Gott als den Guten offenbaren. Ja jederzeit sollen wir die Vollendung erfahren und verkündigen, selbst in Leid und Not!

Diese Drei sind zugleich das Zeugnis unserer Gerechtigkeit. Um sie besser zu verstehen, lässt uns der Prophet, den wir zur Zeit in der göttlichen Lesung der Morgendienste wahrnehmen, sie in Menschengestalt kennen lernen. Es ist nicht die Rede von den 3 Urvätern unseres Glaubens, sondern von den besonderen 3 Gerechten: „Menschensohn, wenn sich ein Land gegen mich versündigt und mir die Treue bricht und wenn ich dann meine Hand gegen das Land ausstrecke, ihm seinen Vorrat an Brot entziehe, den Hunger ins Land schicke und Mensch und Tier ausrotte und wenn in diesem Land die drei Männer Noach, Daniel und Ijob leben würden, dann würden nur diese drei um ihrer Gerechtigkeit willen ihr Leben retten - Spruch Gottes, des HErrn.“ (Hes. 14, 13f)

Noach überwand den Tod, als er der leisen Stimme Gottes folgte, das Verderben in der Arche überlebte und das Zeichen des Bundes Gottes im Regenbogen erblickte. So schauten die Jünger Jesu in dessen Antlitz Gott und das Neue und ewige Bündnis.

Daniel überwand die Sünde, indem er in Babel seinem Glauben treu war – ohne das Heilige mit dem Nicht-Heiligen zu vermischen, sondern den Heiligen Israels zu sehen und die göttliche Absicht zu erfahren. Ob seiner Beständigkeit und Gerechtigkeit wurde er zu einem angesehenen Beamten Babels ausgezeichnet, wie auch wir als Kirche und Gottesvolk wahrgenommen und wert geachtet werden sollen – als Propheten und Botschafter des Höchsten!

Ijob kostete Armut und Krankheit, Prüfung und Not und überwand diese Todeserfahrung, als er für seine Freunde die Fürbtte vor Gott aussprach. Sein Glaube war der Grund seiner Gerechtigkeit, denn er erwartete nur die Überwindung des Todes in der Auferstehung: „Doch ich weiß, daß mein Erlöser lebt, und als letzter wird er über dem Staube stehen. Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Leib dahingeschwunden, werde ich in meinem Fleisch Gott sehen. Ihn selber werde ich dann für mich schauen; den meine Augen betrachten, wird kein Fremder sein. Und mein Herz in meinem Inneren sehnt sich danach.“ (Hiob 19, 25-27) So soll der Glaube der Kirche auch in der Prüfung und Trübsal sein – die Erfahrung und Überzeugung, der geheimnisvolle Leib des Erlösers zu sein, um Not durch Not, Krankheit durch Krankheit und den Tod im Tode zu überwinden.

Somit wird auch die Geschichte der Berufung der Apostel in dem so umschriebenen Glauben in der Verkündigung des Evangeliums am 6. Sonntag nach Pfingsten klar, weshalb sie zu Menschenfischern wurden, als sie die Boote an Land zogen, alles zurück ließen und Jesus Christus nachfolgten. (Lk. 5, 11)

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