Geistliches Leben
Zum liturgischen Bereich

Pfingstkreis


O Gott, Du Beschirmer aller, die auf Dich vertrauen, ohne welchen nichts Bestand hat, nichts heilig ist; laß uns den Reichtum Deiner Erbarmungen vielfältig erfahren, damit wir unter Deiner Führung und Leitung in den zeitlichen Gütern so wandeln, daß wir der ewigen Güter nicht verlustig gehen. Erhöre uns, o himmlischer Vater; durch Jesum Christum, Deinen Sohn, unsern HErrn, der da lebt und herrscht mit Dir und dem Heiligen Geist, ein Gott, in Ewigkeit. Amen.



Gebet vom 5. Sonntag nach Pfingsten

Trennung des Sakralen vom Weltlichen

Der Schluss der Morgenlesung am 4. So. n. Pfingsten lenkt unseren Blick auf die Barmherzigkeit Gottes, dessen Herz im Ungemach seines Bundesvolkes stets mitleidet, wie in der Verschleppung nach Babylon, so auch heute, wo uns die Vergänglichkeit plagt, die Prüfung unseres Glaubens im Alltag und im entstellten Glauben einer dem Himmlischen entfremdeten Gesellschaft. Auch wenn wir als Sünder dem Bundesglauben zu wenig gedient haben, dürfen wir doch mit einer Gnadenzeit rechnen: „In jenen Tagen und zu jener Zeit – Spruch des HErrn – wird man nach der Schuld Israels suchen, doch sie ist nicht mehr vorhanden, nach den Sünden Judas, doch man findet sie nicht mehr. Denn ich verzeihe dem Rest, den ich übriglasse.“ (Jer. 50, 20)

weiter

Gott – Gastgeber und Bräutigam

Ein Fest, zu welchem keiner von den Geladenen kommen wollte, wird am 3. Sonntag nach Pfingsten im Evangelium des Tages verkündet. Dabei betrachten wir keineswegs, ob sie für das Festmahl würdig seien oder nicht! Wir wollen in der nachfolgenden Woche verinnerlichen, dass uns der Glaube auf andere Wege bringt, oder wie es der Ruf für die Woche zusammenfasst: Der HErr ward mein Beschützer, Er führte mich hinaus ins Weite, brachte mir Rettung, weil Er mich liebt.

weiter

Die Zeit nach Pfingsten

Es wirkt so, als würde die Zeit nach Pfingsten ab dem Dreifaltigkeitssonntag in den Jahreskreis hineingeschoben, um die Lücke zwischen den Festzeiten zu überbrücken. Dass dieselbe nicht eine Lücke darstellt, verraten uns die göttlichen Lesungen. Während wir in der ganzen Zeit ab Pfingsten bis zum kirchlichen Neujahr, dem Advent, abends in der Anbetung die Evangelien lesen und betrachten, scheint dieselbe Zeitspanne im Morgendienst zweigeteilt zu sein: in der ersten Hälfte der Zeit nach Pfingsten lesen wir, wie einst der HErr Jesus in den Synagogen der Juden, die Zeugnisse der Propheten.

weiter

Des Einen Geistes Kinder

Gott als Vater erfahren wir in der Gabe des Heiligen Geistes – versetzt in das Geheimnis der Kirche, des einen Leibes Christi, werden wir dem Sohn der Herrlichkeit nachgestaltet, dem Auferstandenen, um mit Ihm unauflöslich verbunden, mit unserem Haupt Jesus, der Vollendung entgegen zu schreiten. Aus seiner Fülle haben wir empfangen, die Gaben des Höchsten und die Liebe des Dreieinigen, unseres Gottes.

weiter

Vollendung und Erfüllung

ur

Die Versklavung des Menschen hat, ebenso wie dessen Befreiung, mehrere Gesichter: Der Sklave ist unfrei durch die Herrschaft seines Beherrschers, der Befreite hingegen erfährt das Heil durch die Macht des Erlösers, des Löwen von Juda. Der Unterdrückte wird durch die künstlichen Rechte einer Diktatur unterjocht, seien es die Rechte der Arbeitergeber oder die der Arbeitnehmer, sei es die Weisheit einer Kastengesellschaft, der Reichen und der Armen oder der Klugen und der Unwissenden. Dem gegenüber steht der fleischgewordene Gott hinter dem Menschenantlitz Jesu, der als Lamm alle heilte und zur Würde der Gotteskinder erhob. Dem Unfreien wird die Freiheit ausgeredet, wenn die Religion und die Offenbarung Gottes hinter die Gesellschaftswerte zurückgestellt werden, obwohl uns die Verheißung und Ankündigung eines barmherzigen Gottes erhebt, so wie sich der Adler in die Himmel erhebt, nämlich der verherrlichte Christus – denn emporgestiegen ist jener, der herabkam, um uns das Evangelium, die Botschaft vom Reich zu verkünden. Und schließlich hat uns Menschen eine gefallene Welt dann in der Hand, wenn wir den Gottesdienst nicht mehr in seiner liturgischen (priesterlichen) Gestalt suchen, denn Jesus Christus ist wahrlich Opferpriester und Opfergabe zugleich, der Retter und Befreier, der uns wie ein Opferstier in die Freiheit emporhebt und heraus zieht – aus Not und Ungemach. Deshalb eröffnen wir diesen 5. HErrentag nach Pfingsten mit dem Ruf: „Blicke auf mich und erbarme Dich meiner, denn einsam bin ich und arm. Schau mein Elend und vergib mir all meine Schuld.“ (Ps. 25, 16 & 18)

Wie der Prophet Ezechiel, so betrachtet auch der Apostel Paulus die Vollendung und das Heil. Unser Bedürfnis nach der leiblichen Erlösung und die Sehnsucht nach einem Leben in Fülle, das uns der Sohn Gottes Jesus Christus versprach, gehören doch untrennbar zusammen: Nach der Gestalt seines österlichen Sieges sollen wir seiner Sohnschaft teilhaftig werden, wenn wir in einem Auferstehungsleib den Tod, die Sünde und den Satan überwunden haben. Darin liegt ja die Spannung unseres Heils – als Erlöste zu hoffen und unsere Rettung zu erwarten: „Aber auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben, seufzen in unserem Herzen und warten darauf, daß wir mit der Erlösung unseres Leibes als Söhne offenbar werden. Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung. Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht?“ (Röm 8. 23f) Im Heiligen Geist erleben wir unseren Gottesdienst als unser Leben, weil Christus uns darin sein Heil schmecken lässt – durch die Taufe sind wir geistlich zum Leben auferstanden, und im Menschsein sind wir bekehrt, ausgerichtet auf Jesus, der uns im Geiste kosten lässt, was es bedeutet, Gott Vater zu nennen!

Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!“ (Lk. 6, 36) Diese Anordnung gab uns Christus, damit wir uns so verhalten, wie wir Gott erfahren haben, den gnädigen und barmherzigen Vater. Unser Heiliger Vater liebt seine Kinder, die Geschöpfe seiner Hand, und behandelt sie so, wie sie es begehren. Wenn uns der Glaube antreibt, die Erscheinung Gottes und seines Sohnes zu lieben, werden wir Gott und Jesus in Herrlichkeit schauen. Die Frohbotschaft des 5. Sonntags nach Pfingsten leitet uns dazu an sehend zu sein: wie der Prophet die Träger der Herrlichkeit zu erblicken und das Evangelium zu begreifen, die Botschaft unseres Heils: „Kann ein Blinder einen Blinden führen? Werden nicht beide in eine Grube fallen? Der Jünger steht nicht über seinem Meister; jeder aber, der alles gelernt hat, wird wie sein Meister sein.“ (Lk. 6, 39b-40)

Zum Portal