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Gnade der Gerechtigkeit

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In der jüdischen Liturgie prägte mich der Satz: „Wer gerecht oder fromm ist – was gibt er Dir damit?“ Denn der in die Gerechtigkeit eingeführte Mensch bleibt nach der Aussage unseres HErrn immer mit eigener Unvollkommenheit behaftet – auch siebenmal am Tag fällt er. Und doch erlässt Christus die Weisung – seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist! Die Betrachtung der Gerechtigkeit wäre ohne die Vollkommenheit unvollständig. Beides hängt zusammen. Nur das, womit man Gott wirklich etwas geben kann, ist nicht dabei – die Tadellosigkeit.

Vielen Mitchristen ist es heute gänzlich unbekannt, dass Jesus mit seinen Jüngern die Tagesliturgie nicht nur kannte, sondern auch pflegte. Aus diesem Grund zog er sich mit seinen Aposteln vor den Volksscharen regelmäßig zurück, um ein gemeinsames Gebet und die Betrachtung seines Wortes vor Gottes Antlitz zu verrichten. Während er dem Volk die Weisung einschärfte – Höre Israel, Gott ist der Eine! – mitsamt dem alttestamentlichen (deuteronomischen) Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe, was im dreifachen alltäglichen Volksgebet enthalten war, unterwies er die Jünger mit einem neuen (neutestamentlichen) Gebot – Liebt einander, wie ich euch geliebt habe!

Unser Heiland Jesus Christus ist uns heilig – nur er war und ist der Tadellose, dessen Unschuld dem HErrn des Lebens eine Gabe und Geschenk war, um den Tod und die Sterblichkeit der Sünde für andere zu überwinden. In diesem unschuldigen Lamm sind wir durch die Sakramente unseres Heils jener vollkommenen Gerechtigkeit teilhaftig geworden, welche uns befähigt, mit seiner Hingabe und Liebe das neue Gebot zu beachten. Er forderte nicht den Glauben an sich selbst oder an die Nächsten, sondern ein Liebeswerk. Der Glaube ist die Voraussetzung dafür, dass man zur Erkenntnis Gottes und seines Sohnes gelangt. Auch das Vorbild seiner Liebe ist keine Anleitung dazu, den Tod für die anderen kosten zu müssen. Betet allezeit – ordnete er an; denn er betete sogar noch am Kreuz – Vater, vergib ihnen...

In der jüdischen Liturgie kannten die Jünger Jesu bereits das stellvertretende Gebet, das man Fürbitte nennt. Hierbei handelte es sich nicht um die konkreten Bitten, wie man sie heute fast überall in der Kirche antrifft. Wo zehn Beter an einem Ort zusammenkamen, um Liturgie zu feiern, den Namen Gottes zu preisen, beteten sie ein Bittgebet, welches aus den Worten der hl. Bibel zusammengesetzt ist. Dabei verstanden sie sich als die Kundschafter des verheißenen Landes, als jene zehn Späher, welche für das Volk die Vollendung der Wüstenwanderung vorausschauten. Das Land eines heiligen Erbes nicht für sich, sondern für andere zu betreten, wie Christus die Himmel zu unserer Erlösung betrat, das ist der Sinn der Liturgie zu jeder Zeit. Wenn nur zwei oder drei von uns Christen zusammenkommen, vervollständigt unser Meister und Erlöser unsere Vollzahl, mit der Zahl der Engel und der vollendeten Geister Gottes. Diese Erkundung des Wortes der göttlichen Lektion mitsamt dem vierfachen Gebet belegt die Gnadenabsicht Gottes. Wir kosten zunächst für die anderen die Verheißung eines unvergänglichen Lebens, um mit allen im Mysterium des Leibes Christi der Vollendung teilhaftig zu werden. Mit der Gerechtigkeit Christi geben wir Gott Anlass –  wie einst Abraham über Sodom und Gomorrha, – den Gnadenratschluss dem Gericht vorzuziehen. Und so sprechen wir, wie einst Jesus mit seinen Jüngern

     – Gelobt seist Du, HErr, unser Gott ... Du großer, starker und ehrfurchterregender Gott. Du erfreust uns durch alle Deine Wohltaten, ermahnst die Lebenden mit Gnade; durch Deine Barmherzigkeit richtest Du auf die Gefallenen, heilst die Kranken, befreist die Gefesselten und bist treu in allen Deinen Verheißungen...

 

 

 

 

Gebet vor dem Aschermittwoch

Anfanglos und unbegreiflich, unbeschreiblich und unveränderlich bist Du, Vater unseres HErrn Jesu Christi! Er ist das Abbild Deiner Güte, Dein ebenbildliches Siegel, das Deine Gottheit in sich selber zeigt, das lebendige Wort, der wahre Gott, das Leben der Heiligung, die Macht und das unerschaffene Licht. In tiefer Gottesfurcht flehen wir um Dein Erbarmen, daß Du uns in diesem Bekenntnis stärkst und mit dem Brot des Himmels kräftigst, damit wir ewig leben und Dir und dem Sohn Gottes beständig huldigen, durch den Heiligen Geist, in welchem wir verehren den Einen, unseren Gott, heute und in Ewigkeit. Amen.

 

 

 

 

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