Am 2. Februar beschließen wir die liturgische Feier der Jahreswende, indem wir die Weihe unseres Lebens mit der Weihehandlung an unserem HErrn Christus verbinden. Den meisten Mitchristen ist dieser Festtag noch ziemlich bekannt – dessen biblische Bedeutung hingegen wirkt eher befremdend. Sowohl die biblische Vorschrift als auch das Zeugnis des Evangeliums sind soweit klar, sofern dabei beachtet wird, dass in dieser heiligen Handlung nicht nur der Dargestellte ins Blickfeld rückt – die Sohnschaftsweihe heiligt und bündelt die Familie. Erst in dieser Handlung tritt einerseits St. Josef als Familienvater in die Elternschaft Jesu ein, anderseits wird die leibliche Mutter im Familienband geheiligt. Ob des letzteren heißt dieser Festtag ebenso – der Tag der Reinigung Mariens, oder Mariä Lichtmess.
Die achttägige Feier dieses Festes (die Festoktave in weiß) ist heute selten geworden und wird hauptsächlich nur in unserem Kreis auf diese Weise fortgeführt. Die Festoktaven sind eine Besonderheit der christlichen Liturgie seit ältester Zeit und drücken unser Selbstverständnis der Zählung einer vollendeten (eschatologischen) Woche aus. Während die mosaische Weisung (vgl. deut. 16) die Wochenfeier der großen Feste durch die 7 Wochentage kennt, verkündet die Christenheit die neue Woche und den besonderen HErrentag – den achten abendlosen Tag unserer Vollendung. Die Ruhe des siebten Tages, der Schabbat des Höchsten, an welchem auch der Leichnam unseres Heilandes im Grab ruhte, fand am ersten Tag einer neuen Woche ihre Fortsetzung.
Für uns Christen ist der Sonntag als wöchentlicher Ruhetag der Ausdruck eines neuen Lebens, der Ruhe und einer Heiligung der Neuschöpfung. Der HErrentag will uns nicht nur in eine neue Woche führen, sondern vielmehr in jenen Ruhetag, an welchem der König und unser Meister sein königliches Amt des Königssohns an den Vater unseres Seins übergeben und mit uns in das Reich der Wonne einkehren wird. Dadurch besitzt jede Festoktave den Charakter der Auferstehung.
Am 2. Februar betrachten wir folglich eine familiäre Dimension dieses Festtags. Da Jesus die Seinen Mutter und Brüder nannte, verbinden wir mit der Festoktave auch die Reinigung der Angesprochenen und unsrer Mutter, der Kirche, welche im Geheimnis seines mystischen Leibes makellos und ohne Runzeln vor dem erhabenen Thron Gottes, gepriesen sei er jederzeit, dargestellt werden. Die Darstellung der Erlösten zu ihrer Vollendung vor dem Antlitz unseres himmlischen Vaters erfüllt die biblische Weihevorschrift mit dem wahren und vollkommenen Opfer Christi, im Zeichen der wahren Taube, des Heiligen Geistes, durch welchen die Heiligkeit Christi bezeugt wird. Da unser Leben mit demselben Geist in der hl. Versiegelung gesalbt wurde, damit wir der Erstlingsgabe der Auferstehenden fähig seien, feiern wir in diesen acht Tagen sowohl die Weihe der geistlichen Vaterschaft der kirchlichen Ämter und Ordnungen, welchen die Fürsorge des heiligen Leibes Christi anvertraut worden ist, als auch die eigene Lebensweihe, durch welche wir – so unsere Überzeugung – den von Gott zugewiesenen Platz im Leib Christi angenommen haben. Zu unserem und zum Heil aller möge diese heilige Feier uns Segen und Frieden vermitteln, welchen uns die Welt nicht zu geben vermag, zum Ruhm und Lobpreis unseres dreieinigen Gottes – IHm sei Herrlichkeit in alle Ewigkeit.
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